LogoHotel Adler

Radeln im Taubertal

"Jetzt reicht mir Stab und Ordenskleid
der fahrenden Scholaren!
Ich will zur schönen Sommerszeit
ins Land der Franken fahren"

So schrieb der Dichter Victor von Scheffel vor gut 150 Jahren. Er wusste, warum: Dort, im Frankenland, bildet das 120 Kilometer lange Taubertal damals wie heute eine in sich geschlossene Ferienlandschaft Rothenburg ob der Tauber bis Wertheim am Main. Es ist ein ideales Gebiet für erholsame und unbeschwerte Ferien, in denen man zugleich auf Entdeckungsreisen gehen kann. Denn, bemerkte bereits der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl bei seinen Wanderungen im Weinherbst 1865: "Ein Gang durchs Taubertal ist ein Gang durch die deutsche Geschichte". Überall finden sich Zeugnisse aller Stilepochen der letzten 1000 Jahre. Vom Frühjahr bis zum Spätherbst ist es die ideale Ferienregion für Feinschmecker von Kunst und Küche, für Weinfreunde und für alle Liebhaber von Natur pur.

Natürlich können Sie das Taubertal mit dem Auto erkunden. Aber schöner wird es, wenn Sie Ihr Fahrrad mitbringen oder sich jeweils vor Ort bei Bedarf eines leihen. Die über 1000 Kilometer umfassenden Rad- und Wandertouren der Region zählen zu den schönsten in Deutschland. Etappenweise können Sie auch von der Kutschfahrt über Rollerskates zum Kanu wechseln und zurück geht es mit dem gemütlichen "Taubertäler Radwanderzug".

Hotel AdlerEin Klassiker für Radwanderer ist in diesem Tourennetz der so genannte "Main-Tauber-Fränkische Rad-Achter". Er setzt sich in Form einer liegenden Acht aus dem Ostring (234 km) und dem Westring (154 km) zusammen sowie Alternativrouten (167 km). Angeboten werden auch Pauschaltouren, bei denen das Gepäck separat befördert wird. Mit der Bahn besteht in der Region ein Abkommen, dass jeder Zug einen Gepäckwagen für Fahrräder mitführt.
Aber nun geht es los: Gerade weil die meisten Touristen Rothenburg ob der Tauber ansteuern, wählten wir andere Orte für unsere mehrtägige kombinierte Rad- und Bustour. Der Start lag in Lauda-Königshofen, im Ortsteil Beckstein. Zur Stärkung gab es auf der sonnendurchfluteten Terrasse des "Hotels Adler" ein Mittagessen mit fränkischen Spezialitäten.

Hotel Adler
Weinstube-Restaurant
Stadtteil Beckstein
Weinstraße 24, 97922 Lauda-Königshofen
Tel.: 09342 / 20 71, Fax: 09343 / 89 07

St. Achatius KapelleDann ging die Fahrt zur St.-Achatius-Kapelle in Grünsfeldhausen. Sie ist ein kleiner, so genannter Oktogon-Bau, errichtet um das Jahr 1200. Durch verschiedene Überschwemmungen in vergangenen Jahrhunderten war sie fast zur Hälfte begraben worden. Das liebevoll restaurierte Gebäude ist Zeugnis romanischer Baukunst und bietet im Inneren einige frühgotische Deckenmalereien.

Kath. Pfarrkirche Heilig KreuzNächster Stopp Gerlachsheim. Was hinter der auf den ersten Anblick schlichten Fassade der ehemaligen Klosterkirche eines früheren Prämonstratenserklosters steckt, überrascht als prächtiges Barock. Zu recht wird der Bau als eine der schönsten und sehenswertesten Kirchen des daran gewiss nicht armen Taubertales bezeichnet.

Wir radeln an Weinbergen entlang, auf gut asphaltierten Radwegen. An den Hängen des Taubertales reifen die verschiedensten Sorten, die man fast überall verkosten kann. Wein hat das Taubertal einst reich gemacht. Dem Wein verdankt es die Fülle seiner Kunstdenkmäler und die Vielzahl der Herrschaftssitze und Residenzen. Beispiel: Wertheim. Wie schon der Name sagt - der Ort ist es wert, dass Sie ihn "heimsuchen". Die Stadt hat eine 1000-jährige Geschichte. Fast jedes Haus, jede Straße ist davon geprägt. Anno 1009 erhielt Wertheim das Marktrecht. 1306 das Stadtrecht. Weil die Tauber hier in den Main mündet, gab und gibt es hier seit jeher Überschwemmungen. Viele Häuser zeigen Hochwassermarken, zum Teil bis zurück zum Jahr 1595. Da stand das Wasser zwei bis drei Meter hoch in den Straßen und trug Wertheims Bewohnern den Spitznamen "Buddenscheißer" ein. Da auch die Aborte unter Wasser standen, benutzten sie stattdessen die Budden, die hölzernen Tragen, in denen normalerweise die Trauben gesammelt werden. Der Likör gleichen Namens (Buddenscheißer) ist ein beliebtes Souvenir.

GamburgWertheim

Wie seit Jahrhunderten wird in Wertheim an jedem Mittwoch und Samstag der "Grüne Markt" abgehalten. Viel ist in seiner Nachbarschaft zu Fuß zu entdecken: etwa das 1520 erbaute, mit Wappen und Fratzen geschmückte Haus der Ritter von Zobel oder das Fachwerkensemble in der Münzgasse. Hier bedeutet Bummeln "Geschichte live". In Wertheim, im Grafschaftsmuseum, befindet sich auch die (außerhalb von Worpswede bei Bremen) größte, ständige Ausstellung des berühmten Landschaftsmalers Otto Modersohn. Auf alle Fälle sollten Sie sich das unter Denkmalschutz stehende "Blaue Haus" ansehen - wegen seines Anstrichs mit "Smalte". In der Smalte bildet zerstoßenes Glas den Farbstoff. Das Verfahren kannten schon die Griechen und Römer. Im Glasmuseum, dem einzigen seiner Art in Baden-Württemberg, finden wir alles über die Herstellung und Anwendung von Glas.

WeinprobeÜber 30 Meter hoch ist der "Spitze Turm", wo man im historischen Gefängnis zur Weinprobe einkehren kann. Überragt wird Wertheim von einer der größten Steinburgen in Süddeutschland. Der Weg zur Burg führt direkt durch das mittelalterliche Stadtbild. Die Stiftskirche besuchen wir mit einem kundigen Führer. Er gibt einen Eindruck in die Symbolik mittelalterlicher Familiengräber. So bedeutet zum Beispiel ein Löwe unter den Füßen eines Ritters Kraft und Stärke, unter den Füßen einer Frau aber Demut und Unterwürfigkeit. Ein am Boden liegender Handschuh symbolisiert, dass in der Familie des Abgebildeten nicht mehr gekämpft worden ist. Ist ein Mann mit zwei Frauen abgebildet, von denen eine einen Rosenkranz hält, so ist diese die Erstverstobene von zwei Ehefrauen.

Im Dreißigjährigen Krieg kämpften die Schweden in Wertheim, obwohl sie eigentlich die Schutztruppen gegen die (katholischen) Kaiserlichen waren. Denn Wertheim war die erste reformierte Stadt. Damals gab es am Gericht (heute ist dort das Grafschaftsmuseum) bereits die berühmte, 1540 gebaute "Doppelwendeltreppe" mit ihren zwei selbstständigen Läufen. Wer kam und wer ging, konnte dem anderen nicht begegnen. Eine Rarität, denn in ganz Europa gibt es nur noch 30 solcher Treppen.

Informationen:

Fremdenverkehrsgesellschaft Romantisches Wertheim mbH
Geschäftsführer Willi Thanninger
Am Spitzen Turm, 97877 Wertheim
Tel.: 09342 / 10 66, Fax: 09342 / 3 82 77

Die Klosteranlage Bronnbach liegt nur zehn Kilometer von Wertheim entfernt. Es ist ein ehemaliges Zisterzienser-Kloster aus dem 12. Jahrhundert. Die romanische Kirche hat eine prächtige, barocke Innenausstattung. Im Kreuzgang und im wunderschönen Josephsaal finden in den Sommermonaten Konzerte statt.

Informationen:

Touristikgemeinschaft "LIEBLICHES TAUBERTAL"
Gartenstraße 1, 97941 Tauberbischofsheim
Tel.: 09341 / 82-2 94, Fax: 09341 / 82-3 82

EulschirbenmühleFast gemütlich ist die Radtour weiter in Richtung Gamburg, zur Eulschirbenmühle. Das um 1550 gebaute kleine Kunstwerk im Renaissancestil, an dem Autofahrer häufig vorbeibrausen, ist der Sache nach einst Wohnort der "schönen Melusine" gewesen, einer Flussjungfrau. Überhaupt ist das Tal reich an Märchen und Legenden. Entdeckt und bewahrt wurden sie im vergangenen Jahrhundert von den Dichtern und Malern der Romantik, die hier leben oder sich hier trafen: der Märchensammler Bechstein, die Dichter Schelling und Schlegel, die Eltern von Bettina von Arnim und der Maler und Zeichner Ludwig Richter. Wandeln Sie auf deren Spuren, entdecken Sie die Märchen mit Ihren Kindern.

An der Tauber entlangVon Gamburg bis Tauberbischofsheim beträgt die Radl-Strecke etwa 15 Kilometer. Sie ist eben und bequem zu fahren, denn es geht fast immer an der Tauber entlang. Unser Etappenziel war der Türmersturm, unweit des Marktplatzes der Altstadt mit dem historischen Rathaus und den barocken Weinhändlerhäusern.TürmersturmDer Turm ist ein originelles Beispiel für die im Mittelalter so beliebte Zahlenakrobatik: 23 m hoch, mit 23 m Umfang und 2,3 dicken Wänden. Allerdings führen nicht 230 Stufen hinauf, sondern nur 140 Stufen. Aber der Blick aus dem Türmerszimmer über Stadt und Land lohnt den Aufstieg. In Tauberbischofsheim können Sie auch internationale Spitzenfechter treffen oder zumindest die deutschen Olympiasieger/innen dieses edlen Sports. Denn die Stadt gilt auch als Deutschlands Fechtzentrum.

Informationen:

Tourist-Info Tauberbischofsheim
Rathaus, 97941 Tauberbischofsheim
Tel.: 09341 / 80 30, Fax: 09341 / 8 03 89

Bad MergentheimEtwa 25 Kilometer weiter südlich, immer dem Radweg "LIEBLICHES TAUBERTAL" folgend, wird Bad Mergentheim erreicht. In Bad Mergentheim wohnte von 1844 bis 1851 auch der Dichter Eduard Möricke. Eine Tafel an einem Eckhaus des Marktplatzes erinnert daran. Am Markt stehen auch die aus dem 16. Jahrhundert stammenden prachtvollen Fachwerkhäuser der Beamten des Deutschen Ordens. Das einstige Wasserschloss der Herren von Hohenlohe war 1525 bis 1809 der ständige Hauptsitz des berühmten Ordens der Hoch- und Deutschmeister. Es ist heute Ordens-Museum und für alle geöffnet.

Die vier HeilquellenBad Mergentheim, der einstige Ordenssitz, ist heute in erster Linie Heil- und Kurbad. Schon Prominente wie Adele Sandrock, Gustav Knuth, Sepp Herberger und seine Nationalmannschaft haben hier etwas für ihre Gesundheit getan. Die vier Heilquellen Wilhelm, Karl, Albert und Paul helfen bei Erkrankung der Verdauungsorgane, der Leber und bei Stoffwechselstörungen. Wir gesunden Radler erholen uns stattdessen im Thermalbad Solymar mit seinen verschiedenen, bis zu 32 Grad warmen Becken, der Sauna, dem Solarium und der Wasserrutsche.

Informationen:

Thermalbad SolymarVerkehrsamt Bad Mergentheim
Marktplatz 3, 97980 Bad Mergentheim
Tel.: 09341 / 5 71 35, Fax: 07931 / 5 73 00

Kurverwaltung Bad Mergentheim GmbH
Lothar-Daiker-Str. 4, 97980 Bad Mergentheim
Tel.: 07931 / 96 52 22, Fax: 07931 / 96 52 28

Erholungs- und Freizeitpark SOLYMAR
Erlenbachweg, 97980 Bad Mergentheim
Tel.: 07931 / 96 56 80

In Weikersheim ist eines der schönsten Schlösser Baden-Württembergs, das einstige Residenzschloss der Grafen von Hohenlohe zu besichtigen. So viel Geld hat einer von Ihnen in die prachtvolle Ausstattung gesteckt, dass er darüber fast pleite ging. Die Restaurierung des Baus mit dem frühbarocken Hofgarten und der Orangerie hat in den letzten Jahren über rd. 20 Mio. € verschlungen. Im Inneren wurde alles stilgerecht so hergerichtet, wie es vor 250 Jahren war, einschließlich Bad und dem WC im Wandschrank. Der Rittersaal mit seinen dicken Bodenbohlen, die selbst Pferdehufe aushalten, gehört zu einem der wenigen erhaltenen Festsäle der deutschen Architektur aus der Zeit um 1600. In Kürze wird im Schloss ein Alchemie-Museum eröffnen. Aus dem prächtigen Garten mit seiner originellen "Gnomengalerie" (steinernen Karikaturen früherer Hofbediensteter) hat der Besucher einen schönen Blick ins Taubertal.

Schloss WeikersheimDer HofgartenSchloss Weikersheim

Schloss Weikersheim dient heute als musikalische Bildungsstätte der "Jeunesses Musicales". Junge Menschen aus Europa treffen sich hier jährlich, um die Musik in all ihren Fassetten zu pflegen. In der "Schloßschänke", einem der vielen romantischen Landgasthöfe, stärken wir uns für die nächsten Etappen. Damit sind wir bei den Gaumenfreuden der Region. Machen Sie Bekanntschaft damit, wo immer sie auf der Karte stehen. Zum Beispiel mit dem Fränkischen Hochzeitsessen: Tafelspitz mit Meerrettich. Vorweg eine Leberknödelsuppe. Oder probieren Sie "Blaue Zipfel", die eigenwilligen Bratwürstchen. Sie sind in saurem Essigsud gegart und mit Zwiebeln, Lauch, Karotten, Senfkörnern und Kümmel zubereitet. Ober Tauber-Aal, Schäufele und Schnickerle. Vor allem aber die vielen Grünkernvariationen. Für letztere hat das Taubertal das Weltmonopol. Grünkern ist das milchreif geerntete, rauchzart geröstete Korn des Dinkels, einer historischen, nur noch vereinzelt angebauten Getreideart.

Informationen:

Städtisches Kultur- und Verkehrsamt im Rathaus
Marktplatz, 97990 Weikersheim
Tel.: 07934 / 1 02-55, Fax: 07934 / 1 02-58
E-Mail: info@weikersheim.de

SteinbrückeSteinbrückeUnsere Tour endet schließlich in Tauberrettersheim. Auch diese Gemeinde blickt auf eine 900-jährige Geschichte zurück. Hier führt die einzige noch erhaltene Steinbrücke des berühmten Barockbaumeisters Balthasar Neumann über die Tauber.


Informationen:

Gemeinde Tauberrettersheim
Mühölenstraße 10, 97285 Tauberrettersheim
Tel.: 09338 / 9 72 80, Fax: 09338 / 2 05

Anreise:

Von Frankfurt am Main, Stuttgart oder Würzburg ist das 120 Kilometer lange Tal jeweils nur eine Autostunde entfernt. Für Bahnreisende bietet der ICE/IC-Knoten Würzburg Hauptbahnhof günstige Anschlüsse in den Main-Tauber-Kreis über Lauda nach Tauberbischofsheim und Wertheim am Main bzw. nach Bad Mergentheim und Weikersheim.

Für Radler:

Von Anfang Mai bis Ende Oktober verkehrt auf der Tauberbahn zwischen Wertheim und Weikersheim an Samstagen sowie an Sonn- und Feiertagen der "Taubertäler Radwanderzug". Er ist speziell für den Radtransport ausgestattet und wird von einem Ladeschaffner begleitet.

Ab Weikersheim, Bahnhof, verkehrt zusätzlich an Samstagen, Sonn- und Feiertagen, ebenfalls von Anfang Mai bis Ende Oktober, der Radl-Bus mit Fahrradanhänger zwischen Weikersheim und Rothenburg ob der Tauber.

Des Weiteren besteht die Möglichkeit, mit dem Regional-Express-Zug auf der Tauberbahn von Wertheim nach Schrozberg zu fahren. Die Fahrräder werden in diesen Zügen ebenfalls (von Mai bis Oktober) mitgenommen. Von Schrozberg nach Rothenburg, ca. 22 Kilometer, empfiehlt es sich, auf dem Burgenradwanderweg zu radeln.

Die Weine:

WeineAm bekanntesten ist wohl der Frankenwein aus dem charakteristischen Bocksbeutel. Hier nur einige aus der langen Liste der Rebsorten. Dominierende Rebsorte ist der Müller-Thurgau. Andere sind Silvaner, Bacchus und Weißburgunder, Grauburgunder und Spezialitäten wie Scheurebe, Traminer und Gewürztraminer. Zu den Rotweinen gehören der nur in Taubefranken angebotene Schoppen "Tauberschwarz", der Schwarzriesling und der Blaue Spätburgunder.

Gaststätten und Restaurants:

GaststätteWo Wein wächst, wird gut gegessen. Das Taubertal macht da keine Ausnahme. Von der Heckenwirtschaft und dem behäbigen Dorfgasthaus über heimelige Weinstuben und bürgerliche Stammlokale bis hin zum Nobelrestaurant ist hier für jeden Geschmack und jeden Geldbeutel gesorgt.

Weitere Informationen:

Touristikgemeinschaft "LIEBLICHES TAUBERTAL"
Gartenstraße 1, 97941 Tauberbischofsheim
Tel.: 09341 / 82 - 294, Fax: 09341 / 82 - 382
Internet: www.Liebliches-Taubertal.de
E-Mail: Touristik@Liebliches-Taubertal.de



Für Sie entdeckt und zusammengestellt durch EPS-Schäffler / Körner

Rückfragen bitte an eps-schaeffler(at)gmx.de

Bitte beachten Sie, das sämtliche Photos und Texte dem Urheberrecht unterliegen und nicht für Veröffentlichungen verwendet werden dürfen, Mißbrauch wird daher strafrechtlich verfolgt. Alle Orts-, Zeit-, und Preisangaben sind ohne Gewähr. (Text: Cord C. Troebst / Fotos: Marcel Schäffler und Touristikgemeinschaft Liebliches Taubertal / Layout u. Gestaltung: Andreas Schefisch).